Postfix: IPv6 oder IPv4?

Postfix: IPv6 oder IPv4?

Mal wieder ein Problem zum Thema Email und Postfix. Neulich erst SMTPUTF8, jetzt wieder etwas was sich der Admin vor Ort nach Erklärungen und Lösungen sucht.

Fortune hat einmal zu mir folgendes gesagt:

The light at the end of the tunnel may be an oncoming dragon.

Für alle diejenigen die fortune nicht kennen: https://de.wikipedia.org/wiki/Fortune_(Computerprogramm).

Achtung!

Man sollte natürlich richtig prüfen, ob die IPv6 Auflösung eventuell sogar wirklich ein Problem hat. Da die Frage aufkam hier das grobe Vorgehen dazu: In der Fehlermeldung steht eine IPv6 Adresse drin. Diese per Reverse-DNS auflösen. Der Rechnername, der hierbei raus kommt sollte via Forward-DNS wieder zur gleichen IPv6 Adresse führen. Unterm Strich genauso, wie es auch für IPv4 der Fall sein sollte. Bitte dran denken. Nur wenn das alles passt und immer noch nichts hilft, dann kann dieses vorgehen wie hier beschrieben eine sinnvolle Variante sein.

Das Spiel beginnt

Bevorzugt kommen solche Fragen ja immer am spätem Nachmittag rein. Mal wieder das Thema Email. Mal wieder auf den ersten Blick dubios: Angeblich kann ein Emailserver keine Mails an eine bestimmte Empfangsdomain senden. Als Grund wird der fehlende Reverse DNS-Eintrag angegeben. Dieser ist aber gesetzt. So auf die schnelle passt hier irgendwas nicht zusammen, der detailliertere Blick ins Protokoll muss her. Hier findet sich folgendes - stark gekürzt und anonymisiert. Du weißt schon, Datenschutz und so 😉

May  7 14:12:37 methusalix postfix/smtp[587]: 0D2B11E0027: to=<emfp@aeng.er>, relay=mail.gatew.ay[1.1.1.1]:25, delay=0.57, delays=0.02/0.01/0.33/0.21, dsn=2.0.0, status=sent (250 OK id=1hNyxZ-00061t-DZ)
May  7 14:12:37 methusalix postfix/smtp[587]: 9600B1E0028: to=<emfp@aeng.er>, relay=mail.gatew.ay[1.1.1.1]:25, delay=0.35, delays=0.01/0/0.22/0.12, dsn=2.0.0, status=sent (250 OK id=1hNyxZ-00068z-RW)
May  7 14:13:23 methusalix postfix/smtp[587]: EAE621E0028: to=<emfp@aeng.er>, relay=mail.gatew.ay[1.1.1.1]:25, delay=0.4, delays=0.01/0/0.21/0.18, dsn=2.0.0, status=sent (250 OK id=1hNyyJ-0007Tp-6X)
May  7 14:55:19 methusalix postfix/smtp[6340]: A672D1E0027: to=<emfp@aeng.er>, relay=mail.gatew.ay[1.1.1.1]:25, delay=0.65, delays=0.01/0/0.5/0.14, dsn=2.0.0, status=sent (250 OK id=1hNzct-0006QR-6i)
May  7 15:13:07 methusalix postfix/smtp[8811]: 6C1A31E0027: to=<emfp@aeng.er>, relay=mail.gatew.ay[1:1:1:1::1:1]:25, delay=0.39, delays=0.03/0.01/0.32/0.03, dsn=5.0.0, status=bounced (host mail.gatew.ay[1:1:1:1::1:1] said: 550-Inconsistent/Missing DNS PTR record (RFC 1912 2.1) 550 (methusalix.doma.in) [1:1:1:1::1]:44636 (in reply to RCPT TO command))

Aha... 4x geht es und einmal nicht. Was bei dem einen Versuch anders ist? Der war per IPv6, die anderen via IPv4. Ok, das mag ja jetzt sein: Reverse-DNS für IPv4 gesetzt, für IPv6 schlichtweg vergessen. Fix via host-Befehl im DNS abgefragt auf die IPv6 Adresse die laut Log keinen Reverse Eintrag haben soll: Oh wunder, der ist richtig auflösbar. Ab jetzt wird es seltsam. Aber wie so oft: Erstmal muss eine Lösung her. Die Suche nach der Ursache wird mal wieder hinten angestellt.

Also gut, das hier ist ganz klar ein Fall für den Blick in die Postfix Dokumentation bzw. in die aktuelle Konfiguration.

Recent Postfix SMTP clients randomly select between IPv4 and IPv6 so that mail won't get stuck when one of the two is down.

Wietse Zweitze Venema
Programmierer und Physiker

smtp_address_preference = any ist wie es sich gehört richtig gesetzt. Das macht so einfach mit am meisten Sinn und wird in der Dokumentation letztendlich genauso empfohlen. inet_protocols brauche ich gar nicht zu kontrollieren, muss auf any stehen. Sonst hätte es gar nicht die beiden unterschiedlichen Zustellvarianten geben dürfen. Um jetzt zu verstehen was da passiert sollte man die Doku kennen oder sich an das im Block links angeführte Zitat von Wietse erinnern.

Somit ist die Lösung für dieses Rätsel fix gefunden: Für diese eine Empfangsdomain sollte der Emailausgang ausschließlich auf IPv4 festgelegt werden. Nur kennt Postfix keine inet_protocol_map in der man dies festlegen könnte. Es ist also mal wieder die Frage nach etwas Kreativität um eine passende Lösung mit Postfix Mitteln entsprechend abzubilden.

Und der Weg zum Ziel ist unterm Strich mal wieder ganz einfach: Man definiert in der master.cf einen weiteren smtp Dienst welcher als Option das oben bereits erwähnte inet_protocols = ipv4 hat. Im zweiten Schritt noch fix einen passenden Eintrag für die Zieldomain in der transport Tabelle gesetzt welche genau diesen Dienst verwendet und voilà: Ziel erreicht.

Die Umsetzung

Die folgenden Beispiele zeigen an reinen Textdateien unter /etc/postfix die passende Konfiguration für die Empfängerdomain gehirn-mag.net. Wer dort bereits eine transport-Tabelle hat kann diese selbstverständlich nutzen. Wer ein Datenbank- oder LDAP-Backend hat kann diese Lösung sinngemäß übertragen. Hier aber, der Einfachheit wegen, das Beispiel an den "blanken" Textdateien. Und Du solltest logischerweise die Empfängerdomain richtig anpassen 🙂

Die erste Datei die geändert wird ist /etc/postfix/master.cf. Hier wird ein weiterer Dienst eingetragen. Eine Zeile analog zur ersten gibt es bereits. Wichtig ist, dass zu Beginn am Anfang und am Ende smtp steht und kein smtpd. Diese kopiert ihr, ändert den Namen (Zeile 2, Spalte 1) und fügt darunter den Inhalt der Zeile 3 ein.

Als nächstes ist /etc/postfix/main.cf dran. Hier ist zu prüfen ob es eine transport_maps Zeile gibt. Falls nicht fügt Ihr diese einfach ein.

Und zu guter Letzt ist die transport Tabelle /etc/postfix/transport selbst. Hier ist der Eintrag für die Zieldomain zu setzen, dass diese unseren neuen IPv4 smtp Dienst verwendet.

smtp      unix  -       -       y       -       -       smtp
smtp-ipv4 unix  -       -       y       -       -       smtp
    -o inet_protocols=ipv4
transport_maps = hash:/etc/postfix/transport
gehirn-mag.net           smtp-ipv4:

Nun müsst Ihr noch via postmap /etc/postfix/transport diese für postfix übersetzen und mit postfix reload den Mailserver neu starten. Postfix versendet nun für Eure Zieldomain alle Mails dorthin via IPv4 anstatt frei zu wählen was er jetzt verwenden könnte.

Und fertig!

Was eine Lösung. Ist das wirklich elegant gemacht auf diese Art und Weise? Ja, das ist Sie. Auf ihre ganz spezielle Art. Einen eigenen Dienst in der master.cf anzulegen macht man eigentlich öfters. Am häufigsten wohl als Ziel für irgendwelche Postfachsysteme wie IMAP/POP3 oder Groupware-Systeme. Wenn man diese externe Domain mit der sinngemäßen gleichen Logik betrachtet ist das schon sehr ähnlich: Ein Postfachspeicher welcher Emails via SMTP annimmt und obwohl er eine IPv6 Adresse hat kann der Dienst aber nur IPv4. Ich betreue Postfix Umgebungen bei denen aufgrund von der Vielzahl und der Größe der dahinter liegenden Groupware Lösungen die transport-Tabelle länger ist bei vielen anderen Installationen die virtual-Tabelle. Da erlebt man noch ganz andere Dinge...

In größeren Emailumgebungen ist man gefühlt nie am Ende mit der Konfiguration angekommen. Man mag sich in dem zu Beginn angesprochenen Tunnel fühlen. Sobald die Ursache aber sauber erfasst wurde ist die Lösung des Problems rasch erledigt und das Ende des Tunnels naht. Bis zum nächsten Anruf 😉

Aber morgen kontaktiere ich erstmals den Emailadmin auf der anderen Seite und frage nach den Gründen für diese Fehlermeldung - Feierabend für heute.

Quellen

  • GNU Bild: Wikimedia - kann aber genauso gut auf gnu.org direkt gezogen werden
  • Wietse Bild: Wikimedia - public domain
Einmal Emails in Kopano Unterordner bitte

Einmal Emails in Kopano Unterordner bitte

Kopano ist eine wunderbare Collaboration-Lösung welche mich schon seit vielen Jahren begleitet und welche ich bereits bei vielen zufriedenen Kunden erfolgreich installiert habe. Nur eins hat mich über die Jahre immer und immer wieder gestört: Benutzer werden per LDAP verwaltet, Berechtigungen, Adressbücher usw. ebenso. Nur die Zuordnung von Emailadressen an Ordner damit Mails an diese Adressen immer in den entsprechenden Ordner landen anstatt im Posteingang wird stiefmütterlich behandelt.

Lösungsansätze

Natürlich gibt es für dieses Problem mehrere Lösungsansätze. An dieser Stelle will ich verschiedene Lösungsansätze zeigen und diese mit einem kurzen für und wider gegeneinander stellen. Als Ausgangsbasis dient die in der Kopano Dokumentation beschriebene postfix Integration: https://documentation.kopano.io/kopanocore_administrator_manual/configure_kc_components.html?highlight=postfix#postfix-integration.

Du suchst die "ultimative" Lösung? Dann lies bitte sofort bei "Lösung 4" weiter. Du hättest gerne die Konfigurationen im Detail zu den Lösungen 1 bis 3.5? Dann melde Dich bei mir. Ich habe diese Details hier weggelassen um den Text nicht noch weiter aufzublähen.

Lösung 1: Regeln

In den Einstellungen der webapp oder deskapp können Regeln hinterlegt werden. Eine passende Regel sieht zum Beispiel so aus:

Falls die Nachricht enthält diese Wörter in den transport-headern "info@gehirn-mag.net" Folgende Aktion ausführen Nachricht in Ordner verschieben Gehirn-Mag.Net/Info

Damit die Emailadresse info@gehirn-mag.net bei mir überhaupt ankommt wird diese als kopanoAliases im LDAP eingetragen. Das funktioniert. Nur zentral verwaltet ist was anderes und da ich Fan vom LDAP bin finde ich dies wenig praktikabel. Zumal das für private Ordner ganz nett sein mag. Nur welchem Benutzer ordne ich so eine Regel sinnvoll zu wenn das Ziel ein öffentlicher Ordner sein soll? Nein, diese Lösung überzeugt mich nicht wirklich. Also auf geht es zur Lösung Nummer 2.

Details zu den Regeln gefällig? Die gäbe es hier: https://documentation.kopano.io/user_manual_webapp/settings.html#rules

Lösung 2: procmail

Die eierlegende Wollmilchsau Lösung. Mit procmail kann wirklich ein Regelwerk mit allem Schnick und Schnack erstellt werden. Ein Beispiel könnte wie folgt aussehen:

# Privat Einkaufen: Hibike, ...
:0H
* ^From:.*(newsletter@newsletter.*\\.hibike\\.com|news@news\\.bike-discount\\.de)
| /usr/bin/zarafa-dagent -p / -F "Posteingang/Newsletter/Einkaufen" steffen

Das Beispiel stammt noch aus Zeiten wo Kopano als Zarafa bekannt war und zeigt einen kurzen Einblick in meine privaten Hobbys. Aber egal, als Beispiel absolut ausreichend. Jetzt noch Postfix dazu gebracht, dass er die Mails für die im ersten Beispiel verwendete info@gehirn-mag.net Adresse an procmail übergibt oder falls fetchmail verwendet wird dort als mda eintragen. Egal, irgendwie die Mails an procmail übergeben. Wie ist hier nicht das Thema. Aber mal ehrlich: Hierfür muss ich eine Konfig-Datei im Dateisystem bearbeiten. Das ist ebenfalls nicht das was ich unter zentralem Management an einem Ort wie LDAP verstehe. Wenn ich schon Benutzer in LDAP verwalten tue, dann doch auch bitte mein Problem mit der Zustellung an Ordner.

Also das Fazit zur dieser Lösungsvariante: Toller Funktionsumfang. Was hier nicht mit einem Filter erfasst werden kann geht sonst auch nirgends. Falls die Emails von Dritten via POP3 oder IMAP abgeholt werden müssen hat dies Lösung im Zusammenspiel mit fetchmail einen ganz speziellen Charme. Aber: Eine Konfigurationsdatei anpassen zu müssen sobald sich was ändert ist nicht mein Ding. Nette Lösung, nur leider für mich alles andere als perfekt.

Lösung 3: Ein Hilfsskript verwenden

Bisher waren alle Lösungen noch weit von dem entfernt was ich Lösungsansatz via LDAP genannt hätte. Aber mit Zuhilfenahme von zusätzlichen Skripten lässt sich hier sicherlich was machen. Also fix los programmiert - die erste Fassung welche hierbei entstanden ist war fast so alt wie Zarafa selbst.

Der Gedanke dazu war wie folgt: Wenn die Email für einen öffentlichen Ordner an ein Skript übergeben wird kann dieses im LDAP nachschlagen in welchen Ordner die Email zu legen wäre. Das funktioniert, braucht aber zusätzliche Perlskripte. Ok, mit etwas Aufwand könnte man aus den zwei sicherlich eins machen. Ändert nichts daran, dass man zusätzliche Skripte braucht.

Ich habe die Skripte von damals noch auf die multi-tenancy Variante erweitert und unter https://gitlab.com/Gehirn-Mag.net/kopano-delivery-to-folders abgelegt.

Aber mal ehrlich: Das funktioniert zwar, aber der Aufwand ist hoch. Geht noch einfacher wie die folgenden Beispiele zeigen.

Zwischenlösung 3.5: Direkt in postfix

Naja, der Umweg über procmail mag viel Luxus bringen. Der über das eigene Skript die Möglichkeiten zu tun was man will. Nur braucht man dies nicht immer. kopano-dagent kann auch direkt aus postfix heraus gestartet werden. Das ist schlank, einfach und mehr braucht es in der Regel auch gar nicht.

# Info-Postfach
gehirnInfo unix - n n - - pipe
    flags=DORhu user=kopano:kopano argv=/usr/sbin/kopano-dagent admin@gehirn-mag.net -v -C -p / -F Gehirn/Info

Dies funktioniert wunderbar. Die Emailadresse admin@gehirn-mag.net muss es natürlich geben und diese muss im Ordner Gehirn/Info schreiben dürfen. Im LDAP leitet man die entsprechenden Adressen einfach nach gehirnInfo: um. Infos zum postfix pipe Prozess gibt es hier: http://www.postfix.org/pipe.8.html. Doch Moment: Das soll flexibel sein? Wohl eher nicht, der Zielpfad steht ja statisch in der master.cf mit drin. Und genau das ist der Haken an der Sache. Sollte es sich um eine "kleine" Installation handeln wo nur ein paar wenige Adressen in Ordner umgeleitet werden mag das absolut ausreichend sein. Sobald es aber mehr werden oder diese Umleitungen einer gewissen Dynamik unterliegen stößt diese Variante an Ihre Grenzen. Der Zwischenschritt ist dennoch gut und führt uns direkt zur perfekten Lösung welche sich mit minimalen Aufwand realisieren lässt.

Zuviel Log-Ausgaben im mail Log? Dann entferne das -v aus der Argumenten-Liste von kopano-dagent.

Lösung 4: Direkt in postfix mit Dynamik via LDAP

Noch mal schnell in die Doku von postfix pipe rein geschaut: "${nexthop} This macro expands to the next-hop hostname". Na das ist es doch! Also kurz die master.cf entsprechend anpassen.

# Kopano an public Ordner
kpublic unix - n n - - pipe
    flags=DORhu user=kopano:kopano argv=/usr/sbin/kopano-dagent admin@gehirn-mag.net -v -C -p / -P ${nexthop}

Das funktioniert ähnlich zur obigen Lösung unter 3.5. Nur steht als Zielordner hier das Makro ${nexthop} welches via LDAP als Wert nach "kpublic:" eingetragen wird. Auch hier sollte es die Emailadresse admin@gehirn-mag.net entsprechend mit den passenden Rechten für den Zielordner geben.

Dies funktioniert natürlich auch mit einem privaten Ordner. Dazu muss lediglich das -P durch ein -F ausgetauscht werden und die Emailadresse auf die des jeweiligen Benutzers getauscht werden. Aber Achtung: Für jeden Benutzer braucht man hier einen eigenen Eintrag in die master.cf von Postfix. Zu umständlich wenn wir es genau betrachten und somit in den Regeln des jeweiligen Kopano Benutzers besser aufgehoben.

Als LDAP-Schema verwende ich wieder das von Lösung 3: https://gitlab.com/Gehirn-Mag.net/kopano-delivery-to-folders/blob/master/sitsPostfixTable.ldif. Letztendlich kann man aber nehmen was man will bzw. ein anderes, unbenutztes Feld zweckentfremden.

dn: PTransSrc=offen@gehirn-mag.net,ou=Gehirn-Mag.Net,...
objectClass: sitsPostfixTransport
objectClass: top
PActive: TRUE
PTransDest: kpublic:Gehirn-Mag.Net/Offen
PTransSrc: offen@gehirn-mag.net

Die dazu passende LDAP Konfig Datei für postfix ldap.kopano-folders.conf:

#
# virtual LDAP Map for Kopano (PTransSrc für Ordner-Ablage)
#

server_host = ldap:///
start_tls = yes
search_base = ou=CharlieB.Schoch-IT.Solutions,dc=Schoch-IT,dc=Solutions
bind_dn = cn=postfix,...
bind_pw = ...

query_filter = (&(objectClass=sitsPostfixTransport)(PTransSrc=%s)(PTransDest=kpublic:*)(PActive=TRUE))
result_attribute = PTransDest

debuglevel = 0

Diese Datei muss dann noch in der main.cf von postfix den virtual mailbox maps hinzugefügt werden:

virtual_mailbox_maps =
  ldap:/etc/postfix/ldap.dovecot-virtual-users.conf,
  ldap:/etc/postfix/ldap.kopano-virtual-users.conf,
  ldap:/etc/postfix/ldap.kopano-folders.conf,
  ldap:/etc/postfix/ldap.kopano-groups.conf

Wie Du sehen kannst habe ich neben den Kopano-Benutzern auch noch die Gruppen aktiv und jetzt den Transport in den öffentlichen Ordner. Darüber hinaus gibt es bei mir auf diesem Server noch einen Dovecot für die reinen IMAP-Postfächer. Dieser Eintrag muss von Dir logischerweise sinnvoll angepasst werden.

Wie man dovecot und kopano-gateway auf der gleichen Adresse mit den gleichen Ports betreiben kann verrate ich Dir in einem der nächsten Blog-Beiträge 😉

Auf der Suche nach anderen Stellen im Internet die diesen Weg beschreiben habe ich die Doku von LECKERBEEFde gefunden. Zwar funktioniert die Homepage nicht mehr, aber den GitHub Eintrag gibt es noch: https://github.com/LECKERBEEFde/zarafa-deliver-mail-to-public-folder. Wie Du am Link erkennst bezieht sich diese Doku noch auf Zarafa. Das macht aber rein gar nichts, die lässt sich super einfach in Richtung Kopano umbauen. Und LECKERBEEFde verwendet ein Windows Active Directory. Da er sich nicht die Mühe gemacht hat ein spezielles Schema zu erstellen tut er, wie angesprochen, ein vorhandenes Feld für seine Zwecke "verwenden". Eine tolle Doku welche wirklich zu lesen lohnt.

Lösung 5: Kopano dagent Plugin

Wie, es gibt noch eine Lösung 5? Natürlich und die will ich Dir auch gar nicht vorenthalten. Ganz so egal ist Kopano das Thema Zustellung an den öffentlichen Ordner nämlich gar nicht. Hier mag die Einleitung etwas anderes suggeriert haben, deswegen nochmals der Hinweis: Es gibt einen Lösungsweg und der steht sogar im Handbuch: https://documentation.kopano.io/kopanocore_administrator_manual/special_kc_configurations.html#move-to-public. Dazu wird kopano-dagent über ein Plugin erweitert und eine Konfigurationsdatei entsprechend bearbeitet. Selbstverständlich funktioniert auch dies wunderbar!

Nun mein persönliches Fazit dazu: Eigentlich wollte ich die Zustellung an die öffentlichen Ordner via LDAP verwalten anstatt wie hier in einer Konfigurationsdatei. Also eine funktionierende Lösung die jedoch eine andere Strategie verwendet wie die von mir gewünschte. Die ist gut weil Sie funktioniert. Nur nichts für mich.

Du hast nur eine kleine Installation? Du editierst eine einfache Text-Konfigdatei lieber als LDIF-Daten? Du suchst eine Lösung die offiziell von Kopano angeboten wird? Dann bist Du hier genau richtig!

Fazit

Lösung 4 ist wunderbar. Sie ist schlank, einfach und schlichtweg elegant. Der zusätzliche Aufwand ist kaum nennenswert wenn man ohnehin dabei ist postfix mit Kopano zu verbinden. Einmal eingerichtet lässt sich das Verhalten komplett via LDAP beeinflussen. So macht es Spaß. Das ist schnell erledigt.

Was ich mir jetzt noch für die Zukunft wünschen würde und da schließt sich der Kreis zur Einleitung: Hinweise in der Kopano Dokumentation wie man dies macht wären super, richtig nett wäre die Erweiterung des Kopano LDAP Schemas um ein passendes Feld. Aber: Genau genommen ist diese Lösung schnell im Internet recherchiert oder durch das Studium der postfix Dokumentation rasch hergeleitet. Der Mehraufwand ist kaum nennenswert. Die Kopano Dokumentation ist meiner Meinung nach eher als Lösungsansatz zu verstehen da es zu viele verschiedene Umgebungen mit ihren ganz besonderen Eigenschaften gibt. Diese kleine zusätzliche postfix Anpassung fällt somit unterm Strich kaum ins Gewicht.

Und vergessen wollen wir nicht, dass es sehr wohl einen Kopano-Lösungsweg gibt. Nur finde ich persönlich, dass dieser nicht ganz in die Zeiten von LDAP-Bäumen, egal ob openLDAP, eDir oder Windows AD passt.

Darüber hinaus zeigt sich meiner Meinung nach noch ein ganz anderer wichtiger Aspekt: Kopano wirbt immer damit wie gut die Lösung in bestehende Strukturen integriert werden kann. Integration bedeutet Schnittstellen zu haben. Diese sind entsprechend dokumentiert und somit finden sich in kürzester Zeit verschiedene Lösungsansätze. Siehe oben. Das ist mal richtig toll! Leider gibt es viele andere Software da draußen wo man nicht mal einen Lösungsansatz finden würde...

Statusmails? Nein Danke!

Statusmails? Nein Danke!

Prolog

Das Problem

Ich mag keine Emails. Also in so manchen Momenten zumindest. Ein Beispiel: Ein von mir verwaltetes Emailsystem umfasst mehrere Server die in sogenannte Postoffices unterteilt sind. Das tägliche Backup eines jeden Postoffices generierte bei erfolgreichem Backup eine Email mit einem ausführlichen Bericht und schickte diese an das Sammelpostfach der Systemadministratoren. Soweit so gut, könnte man meinen.

Dennoch gibt es zwei Dinge an diesem Konstrukt die mich grandios stören:

  1. 1Die Email wird bei erfolgreichem Backup verschickt. Das heißt fehlt die Email lief kein Backup. Nun sind es aber viele Postoffices: Die Wahrscheinlichkeit eines zu übersehen in den Unmengen von Mails im Sammelpostfach ist schlichtweg viel zu hoch.
  2. 2Mal ehrlich sein: Der Statusbericht des Backups des Emailsystems kommt per Email? Nee, oder? Nicht gerade eine beruhigende Kombination: Im Falle eines Totalausfalls des Postoffices wo das Sammelpostfach der Admins drin ist und man gerade auf ein erfolgreiches Backup der letzten Tage hofft. Das könnte die ein oder andere Schweißperle auf die Stirn treiben...

Da muss eine Lösung her, das kann so nicht blieben. Es sind viel zu viele Emails die täglich in das Admin-Postfach eintrudeln - kaum möglich diese wirklich alle mit der notwendigen Sorgfalt zu erfassen. Zumal man auch noch andere Dinge zu tun hat außer Emails auf Vollständigkeit zu prüfen. Und dann gibt es da noch dieses Gerät namens Telefon. Ein jeder Admin weiß was das bedeutet...

Die Lösung

Dabei ist die Lösung so einfach: Ein System in das jeder Admin mehrfach unterm Tag rein schaut. Gibt es zumindest bei uns. Monitoring heißt das Zauberwort. Freundlicherweise liefert das oben beschriebene Backup wenn man in der Doku sucht doch tatsächlich das passende Plugin bereits mit. Jetzt weiß das Monitoring ob die letzte Sicherung aktuell genug ist. Und falls nicht ist im Monitoring auch gleich noch der Link zum Protokoll vom Backup-Server hinterlegt. Besser kann es kaum werden. Und angenehm ist es auch:

  1. 1Die lästige Kontrolle der Emails fällt weg
  2. 2Das Postfach wird übersichtlicher da weniger Mails ankommen
  3. 3Die doppelte und unnötige Vorhaltung der Logs auf dem Backupserver und in einer Mail im Mailsystem entfällt. Das spart Plattenplatz und vor allem teuren Platz in der Emailumgebung.

Diese oder ähnliche Situationen begegnen mir regelmäßig bei der Arbeit. Irgendwelche genau genommen dumpfsinnigen Emails werden durch die Gegend geschickt die im Grundrauschen der Emailflut im Admin-Postfach viel zu schnell übersehen werden. Die Dienstqualität leidet durch das zu späte oder gar nicht richtige Erfassen von aufkommenden Problemen.

An dieser Stelle bin ich Befürworter der Grundthese, dass im Adminpostfach nur die notwendigsten Dinge ankommen sollten. Laufzeitberichte, Diagnosemails usw. gehören ins Monitoring. Dort sind diese viel besser aufgehoben und können bei Problemen kann ganz anders wahrgenommen und bearbeitet werden.

Die Grundidee, dass Monitoring so viel mehr bieten kann wie die nur teils verwendete einfache Dienstüberwachung ziehe ich an vielen Stellen durch: Papierfüllstände und Tonervorrat an die Azubis, Laufzeit-Infos zu Backupjobs an die Kollegen vom Backup, Accountinginformationen der Mailrelays an die Buchhaltung zur monatlichen Rechnungslegung und noch viel, viel mehr Abseits der einfachen Überwachung von ein paar einfachen Serverdiensten... Das kann Monitoring ebenfalls bieten.

Kombiniert mit der rechtzeitigen Erkennung von aufkommenden Problemen bevor Dienste ausfallen und Monitoring beginnt richtig Spaß zu machen. Weitere Blogbeiträge zu diesem Thema werden folgen 😉